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Ein Projekt der MDSE

Deponie Grube Johannes

Mit der Stilllegung und Rekultivierung der Deponie Grube Johannes wird eine der wohl bekanntesten Altlasten in Sachsen – Anhalt beseitigt. Die verträgliche und nachhaltige Sanierung des Standortes dient dem dauerhaften Schutz von Mensch und Umwelt. Dadurch erfolgt eine bleibende Aufwertung des angrenzenden Umfeldes für die nächsten Generationen. Auf dieser Seite informieren wir über das Projekt, die gesetzlichen Rahmenbedingungen, die angewendeten Technologien, die Angebote für Projektinformation und Dialog und veröffentlichen die aktuellen Messergebnisse und Dokumente.

Deponie Grube Johannes

Das Projekt

Das als „Silbersee“ bekannt gewordene Braunkohlentagebaurestloch „Grube Johannes“ am südlichen Stadtrand von Wolfen ist eine stillgelegte Deponie der Klasse III und unterliegt dem Abfallrecht.

Gemäss der Anordnung der damalig zuständigen Abfallbehörde dem Regierungspräsidium Dessau vom 12.02.2003 hat die MDSE die Deponie stilllzulegen, zu sanieren und zu rekultivieren.
Die Stilllegung und Rekultivierung einer solchen Deponie ist bislang noch nie durchgeführt worden. Sie wird nach dem aktuellen Stand von Wissenschaft und Technik durchgeführt, der ständig evaluiert und fortgeschrieben wird.
Das Projekt wird voraussichtlich nicht vor 2030 abgeschlossen werden können.
Es ist davon auszugehen, dass die Deponie im sanierten Zustand mindestens 25 Jahre weiterhin durch die MDSE betreut werden muss („Nachsorgephase“), um ggf. auftretende schädliche Veränderungen des Deponiekörpers, des Grundwassers und der Luft festzustellen und dahingehend Maßnahmen zur Verhinderung gefährlicher Zustände ergreifen zu können.
Eine konkrete Nachnutzung der dann rekultivierten Flächen ist auf Grund der langen Sanierungsdauer derzeit noch nicht absehbar.

Die Geschichte

Seit ca. 1921 wurde die Grube Johannes – ein Braunkohlerestloch – als Deponie und Absetzbecken der ortsansässigen Industrie, vor allen Dingen durch die Fotoindustrie (AGFA und später ORWO) sowie der Betriebe zur Herstellung von Zellstoff und Kunstseide genutzt.

Deponie Grube Johannes

Was befindet sich in der Deponie?

In der „Grube Johannes“ befinden sich auf einer Fläche von etwa 25 Hektar in Schichten bis zu 12 m etwa 2,5 Millionen Kubikmeter Abfälle bestehend aus Schlamm und Kraftwerks-Aschen, der mit durchschnittlich einem Meter Wasser überstaut ist.

Der Schlamm besteht in der Hauptsache aus Zellulose und Lignin-Derivaten. Aus umfangreichen Untersuchungen zum Schadstoffgehalt ist bekannt, dass im Schlamm noch beträchtliche Mengen einer Vielzahl anderer Stoffe – etwa Metalle und Schwefelverbindungen – enthalten sind. Sie stammen aus der Einspülung unbehandelter Abwässer der Zellstoff- und Viskosefaserproduktion sowie der Filmfabrik.

Die technische Lösung

Die Gesamtplanung zur Sanierung der Deponie Grube Johannes sieht die komplette Verfüllung des Restloches (ca. 25 ha Fläche) einschl. der darin befindlichen Schlämme vor.
Die Verfüllung erfolgt mit HMV-Schlacken (Hausmüllverbrennungs-Schlacken), welche bis zu einer Höhe von 82,00 bis 83,5 m NHN eingebracht werden. Darüber erfolgt der Einbau einer 1,1 m mächtigen Schicht aus Rekultivierungsboden, welcher anschließend mit Grassamen begrünt wird.
Auf der Teilfläche 1 im Norden Ist dieser Zustand bereits größtenteils hergestellt und kann von der B184 aus gesehen werden.
Zuerst wurde mittels eines technischen Großversuches im Jahre 2017 die Machbarkeit der im Rahmen der Gesamtplanung ermittelten Einbauparameter (u.a. Qualität und Quantität der HMV-Schlacken, Einbautechnologie mittels Langarmbagger und Kettenraupe, Standsicherheitsbetrachtungen der angrenzenden Böschungen, Verhalten der Schlämme nach Einbau, Emissionsverhalten etc.) bestätigt, um danach mit der Sanierungsmaßnahme beginnen zu können (siehe Dokumente).

Diese Gesamtsanierungsmaßnahme begann im Jahr 2018 und wird mindestens bis zum Jahr 2030 andauern.
Derzeit werden die Teilfläche 1 (TF 1) und 2 (TF 2) durch die MDSE saniert. Die TF 1 wird mit Rekultivierungsboden abgedeckt und die TF 2 mit HMV-Schlacken verfüllt. Weiterhin ist die TF 3 in der Planungsphase und soll ab Ende 2024 ebenfalls verfüllt werden.

Was geschah seit 1993?

Nach der Einstellung der Abwassereinleitung in die Grube Johannes waren zeitweilig bis zu 150 Arbeitskräfte mit den Untersuchungs- und Sicherungsarbeiten beschäftigt, die hauptsächlich der Geruchsminimierung und der Stabilisierung der am Ostufer der Grube laufenden Bundesstraße B 184 dienten.
Zur Böschungsstabilisierung an der Bundesstraße wurde ein 1.220 Meter langer Damm aus 250.000 Kubikmeter Bauschutt aufgeschüttet, der aus dem Rückbau der Filmfabrik stammte.
Es wurde eine Wasserlamelle auf die Schlämme gebracht, welche danach belüftet wurde. Weiterhin erfolgte die Verlegung von schwimmenden Biofiltern im Nordteil (4 ha).
Die Deponie wurde seit 1994 ständig messtechnisch hinsichtlich Emissionen von H2S überwacht. Umfangreiche Planungen zum Umgang mit der Deponie Grube Johannes wurden in den Jahren 2000 bis 2010 durchgeführt.
Im Jahr 2016 wurde ein technischer Großversuch zur Verfüllung gestartet in dessen Ergebnis die Sanierung ab 2018 begann.

Gesundheitsgefahr und Vermeidung von Geruchsbelästigung

Seit Anfang der 60er Jahre führte insbesondere die mikrobielle Freisetzung von Schwefelwasserstoff aus dem Schlammkörper zur erheblichen Geruchsbelästigung, insbesondere der Anwohner.

Erste Schutzmaßnahmen wurden 1987 durch Ascheeinspülungen eingeleitet. Dies diente der Überdeckung der Schlammoberfläche und damit der Reduzierung der Geruchsbelästigung durch Ausgasungen des Schlammes.

Ab 1990 wurde die Zellstoffproduktion schrittweise stillgelegt. 1993 erfolgte die völlige Einstellung der Einleitung von Abwasser in die „Grube Johannes“. Unmittelbar danach wurde mit eingehenden Untersuchungen zur Sicherung bzw. Sanierung der Grube begonnen.


Für die Vermeidung der zeitweilig auftretenden Geruchsemissionen, von denen keine Gesundheitsgefahren für die Anwohner ausgehen, werden technische Lösungen gesucht, getestet und eingesetzt.
Geruchsbelästigungen treten auf, wenn der Sauerstoffgehalt des, den Schlamm überdeckenden Wassers zu gering ist. Dieser Zustand trat in der Vergangenheit insbesondere bei hohen Außentemperaturen auf.
Durch technische Maßnahmen zur Belüftung des Wassers und die zeitweilige Zuführung von Frischwasser aus der Grube Hermine konnten die Geruchsbelästigungen erheblich reduziert werden.

Seit 1992 wird die „Grube Johannes“ hinsichtlich wichtiger Parameter (H2S, Schwefelwasserstoff) auch messtechnisch überwacht. Somit können eventuell notwendige Maßnahmen der Oberflächenbelüftung oder der Überleitung von Oberflächenwasser sofort eingeleitet werden.

Die MDSE nimmt Hinweise und Beschwerden der Anwohner ernst

Im Zuge der starken H2S-Emissionen im Jahr 2022 mit den darauffolgenden Bürgerbeschwerden im August 2022 wurden umfangreiche Maßnahmen zur Reduzierung bzw. Verhinderungen von Emissionen seitens MDSE unternommen:
  • Stauspiegelhaltung der Wasserlamelle im Restloch Johannes durch Wasserüberleitung aus der Grube Hermine einschl. Abstimmungen mit den Behörden (unt. Wasserbehörde LK ABI, LVwA Halle)
  • Installation von Belüftungsanlagen aus der Klärwerkstechnik
  • Betrieb von Schlagregner in die Wasserlamelle zur O2-Anreicherung bzw. auch zur Stauspiegelhaltung einschl. Bau und Installation eines Brauchwasseranschlusses
  • Zusätzlich permanente Analytik von Wasserparametern
  • Ableitung von Start-Stop-Kriterien für den direkten Einbau der HMV-Schlacken in die Wasserfläche
  • Planung einer Ex-Situ-Wasserbehandlung durch Belüftung in einem Tank; Ziel ist der Abbau von organischen Komponenten im Wasser und zusätzliche O2-Anreicherung
  • Simulationsberechnungen zur Ausbreitung von H2S-Emissionen über das Baufeld hinaus
  • Raumluftmessungen bei Anrainern zum Nachweis der gefahrlosen H2S-Emissionen aus dem Baufeld